Kühlwasseranlage für das Siemens Dynamowerk in Berlin
Anspruchsvolle Anlagenbauarbeiten auf einem der geschichtsträchtigsten Industriegelände Berlins.
Mehr als 100 Jahre volle Kraft voraus.
„Noch niemals ist ein menschliches Wesen auf der Eisenbahn so rasch befördert worden", schrieb die Illustrierte Zeitung 1903 über die Schnellbahnversuche auf der Militärbahn Marienfelde–Zossen, bei denen ein elektrischer Schnellbahnwagen von Siemens & Halske 201 Stundenkilometer erreichte.
Ermutigt durch solche Erfolge, die weltweit für Schlagzeilen sorgten, errichtete Siemens 1907 das Dynamowerk nach Entwürfen von Carl Dihlmann in der Nonnendammallee im heutigen Berlin-Spandau. Es war Teil der Produktionsstätten für elektrische Großanlagen – Dynamomaschinen, Motoren hoher Leistung, Antriebe für Walzstraßen, Fördermaschinen, Aufzüge, Lokomotiven und Schiffe. Im Zweiten Weltkrieg weitgehend zerstört, wurde es unter großen Anstrengungen wiederaufgebaut und steht seit 1994 unter Denkmalschutz.
Umwelt schonen. Kosten sparen.
Alle Siemens-Motoren werden vor der Auslieferung auf Herz und Nieren getestet. Bislang wurde die dabei entstehende Wärme über das Abwasser entsorgt – zu kostenintensiv und keineswegs umweltneutral. Es wurde beschlossen, ein Umlaufkühlsystem zu installieren, an das gleichzeitig Motoren, Umrichter und Lötmaschinen der Werkhallen angeschlossen werden sollten.
Für uns als echte Berliner war es eine Herzensangelegenheit, an einem Projekt für dieses Berliner Traditionsunternehmen an diesem historischen Standort mitzuwirken. Gefordert war alles aus einer Hand: von der Vorfertigung und Logistikplanung über die Materialbeschaffung bis zur Vor-Ort-Montage – inklusive Wartung und Notdienst nach der Fertigstellung.
Für den reibungslosen Betrieb des Systems mit 4,8 Megawatt Gesamtleistung installierten wir acht Sommer- und acht Winter-Rückkühler, verlegten 4.000 Meter Kühlwasserleitungen und montierten 13 drehzahlgeregelte Kühlwasserpumpen, eine hydraulische Weiche, eine Enthärtungs- und eine Umkehrosmoseanlage. Darüber hinaus waren wir für die MSR-Technik verantwortlich.
Fliegend zur pünktlichen Übergabe.
Bereits in der Vergangenheit wurden wir von Siemens für anspruchsvolle Projekte engagiert. Dieses stellte jedoch eine besondere Herausforderung dar, denn die Rahmenbedingungen waren alles andere als alltäglich. Zur Steuerung setzten wir sowohl einen technischen als auch einen kaufmännischen Projektleiter ein; für die Vorfertigung stellte Siemens eine Halle zur Verfügung, in der wir acht Schweißplätze einrichteten. Zeitweise waren wir mit 20 Mitarbeitern vor Ort.
Um die Produktionsabläufe nicht zu stören, mussten die Montagearbeiten überwiegend nachts und an den Wochenenden durchgeführt werden. Die Montage in bis zu 23 Metern Höhe und die Platzierung der Kühlaggregate auf zwei Dachflächen verlangten uns wirklich alles ab. Eine besondere Herausforderung war die Montage der Rückkühlwerke nebst Stahlkonstruktion mit einem Gewicht von 116 Tonnen: Dafür wurde für zwei Tage ein Transporthelikopter eingesetzt, der eigens aus der Schweiz angefordert wurde.
Der Aufwand hat sich gelohnt – das Umlaufkühlsystem wurde pünktlich an Siemens übergeben.
