Sanierung des Springbrunnens der Staatsbibliothek zu Berlin

Historische Restaurierung eines Brunnens, der pro Minute 800 Liter Wasser bewegt – mit größtmöglichem Erhalt des Originalmaterials.

Wider die Schwerkraft. Für die Schönheit.

Schon in alten Zivilisationen wurden technisch anspruchsvolle Systeme zur Wasserversorgung gebaut. In Renaissance und Barock wurden daraus künstlerisch ausgestaltete Anlagen: Springbrunnen, Wasserspeier und künstliche Kaskaden inszenierten das Wasser und galten als Ausdruck von Reichtum und Wohlstand. Je besser man die Schwerkraft in den Griff bekam, desto imposanter wurden die Anlagen.

Als die Staatsbibliothek Unter den Linden 1903 bis 1914 vom Königlich-Preußischen Hofarchitekten Ernst von Ihne im Stil des wilhelminischen Neobarock errichtet wurde, durfte ein Springbrunnen deshalb nicht fehlen. Er fand seinen Platz im Ehrenhof – dort, wo neben der Königlichen Bibliothek auch die Königliche Akademie der Wissenschaft untergebracht wurde.

Wissen ist Macht.

Die Zeit um die Jahrhundertwende brachte dem Deutschen Reich das erste Wirtschaftswunder – und der Wissenschaft eine bis dahin nicht gekannte Blüte. Von der ersten Verleihung des Nobelpreises 1901 bis 1918 ging mehr als ein Drittel aller wissenschaftlichen Nobelpreise an deutsche Forscher.

Berlin galt als weltweites Zentrum der Naturwissenschaften. In der Humboldt-Universität gaben sich Nobelpreisträger wie Robert Koch, Max Planck und Albert Einstein buchstäblich die Klinke in die Hand. Man darf davon ausgehen, dass sie für ihre Forschungen auch auf den reichhaltigen Bücherfundus der Staatsbibliothek zurückgegriffen haben.

Aus marode wird vollendet.

Im Zweiten Weltkrieg begann man nach dem ersten Bombentreffer, die wissenschaftliche Bibliothek zu evakuieren – in 30 Auslagerungsorte, um sie vor Kriegsschäden und Plünderungen zu schützen. Im Februar traf dann eine Luftmine den Kuppellesesaal und zerstörte fast 40 Prozent des Gebäudes.

Die schweren Kriegsschäden wurden in der Zeit der deutschen Teilung nur unzureichend beseitigt. Erst 1999, zehn Jahre nach der Wende, nahm man die dringend notwendige Grundsanierung in Angriff – in zwei Bauabschnitten, damit der Bibliotheksbetrieb weiterlaufen konnte.

Heute erstrahlt das Gebäude wieder im alten Glanz, und wir sind stolz, mit der Sanierung des Springbrunnens im Ehrenhof unseren Teil dazu beigetragen zu haben. Die historische Restaurierung des Brunnens, der in einer Minute 800 Liter Wasser bewegt, erforderte neben viel Sachverstand vor allem ein behutsames Vorgehen, damit so viel Originalmaterial wie möglich erhalten blieb. Wir installierten eine Anlage zur Wasseraufbereitung und – damit alles im rechten Licht erscheint – eine Beleuchtung, die das historische warme Weiß wiedergibt.

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